Warum es sich lohnt, ein Hobby im Alter nicht aufzugeben – Visento
Warum es sich lohnt, ein Hobby im Alter nicht aufzugeben
Ratgeber

Warum es sich lohnt, ein Hobby im Alter nicht aufzugeben

03.01.2026
von Roland Peter · 92 x gelesen

Es gibt Momente im Leben, in denen man glaubt, einen Schlussstrich ziehen zu müssen. Ein Hobby, eine Tätigkeit, ein Teil der eigenen Identität scheint abgeschlossen. Gerade im höheren Alter stellt sich diese Frage häufiger: Braucht es das noch? Hat das noch Sinn? Ist es nicht Zeit, loszulassen?

Viele Seniorinnen und Senioren kennen dieses Gefühl. Nach der Pensionierung, nach gesundheitlichen Veränderungen oder nach einschneidenden Erlebnissen entsteht oft der Eindruck, man müsse Platz machen – für Jüngere, für Neues, für Ruhe. Doch dieser Rückzug hat seinen Preis.

Hobbys sind mehr als Zeitvertreib

Ein Hobby ist nicht einfach eine Beschäftigung. Es ist Ausdruck von Persönlichkeit, Erfahrung und Lebensgeschichte. Wer malt, schreibt, musiziert, gärtnert, fotografiert oder handwerklich tätig ist, tut dies nicht nur «zum Spass». Solche Tätigkeiten strukturieren den Alltag, fördern die Konzentration und geben dem Tag Bedeutung.

Studien aus der Altersforschung zeigen klar: Menschen, die auch im höheren Alter aktiv bleiben, fühlen sich häufiger gebraucht, sind emotional stabiler und erleben weniger Einsamkeit. Das gilt besonders dann, wenn ein Hobby über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen ist.

Der innere Rückzug kommt oft schleichend

Der Abschied von einer Leidenschaft geschieht selten bewusst. Häufig beginnt er leise: Man zeigt seine Arbeiten nicht mehr, man reduziert den Aufwand, man stellt Projekte zurück. Dahinter stecken oft Zweifel – an der eigenen Relevanz, an der Qualität oder am Sinn des Tuns.

Gerade ältere Menschen neigen dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen. Dabei ist Erfahrung kein Makel, sondern ein Wert. Reife bringt Gelassenheit, Tiefe und einen Blick fürs Wesentliche – Qualitäten, die in vielen Bereichen erst mit den Jahren entstehen.

Wieder anfangen ist erlaubt – jederzeit

Ein besonders wichtiger Gedanke: Ein Hobby darf pausieren. Aber es muss nicht endgültig aufgegeben werden. Wer den Mut findet, eine Leidenschaft wieder aufzunehmen, erlebt oft etwas Überraschendes: Die Freude kehrt zurück – oft freier, ruhiger und ohne Leistungsdruck.

Im dritten Lebensabschnitt geht es nicht mehr um Vergleich oder Erfolg. Es geht um Ausdruck, Sinn und das gute Gefühl, etwas Eigenes zu pflegen. Wer wieder beginnt, tut dies nicht für Applaus, sondern für sich selbst – und genau darin liegt die Stärke.

Ein Gewinn auch für andere

Aktive Seniorinnen und Senioren sind nicht nur für sich selbst wertvoll. Sie inspirieren andere. Sie zeigen, dass Neugier, Kreativität und Engagement kein Ablaufdatum haben. Gerade jüngere Generationen profitieren von dieser Haltung – sie erleben Vorbilder, die Mut machen.

Ein gepflegtes Hobby kann zudem Brücken bauen: über Gespräche, Ausstellungen, Texte, Begegnungen oder digitale Plattformen. Sichtbar bleiben heisst teilhaben – und Teilhabe ist ein Grundbedürfnis, unabhängig vom Alter.

Fazit: Nicht aufgeben, sondern neu definieren

Ein Hobby im Alter weiterzuführen bedeutet nicht, an der Vergangenheit festzuhalten. Es bedeutet, das eigene Leben ernst zu nehmen – mit allem, was man gelernt, erlebt und gestaltet hat.

Wer etwas liebt, darf es behalten. Vielleicht in neuer Form, mit anderem Tempo, aber mit derselben inneren Überzeugung. Denn Sinn, Freude und Ausdruck kennen kein Verfallsdatum.

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Ein Beispiel aus der Praxis

Vor rund einem Jahr habe ich – damals 73-jährig – meine eigene Fotowebsite gelöscht. Nicht aus technischen Gründen, sondern aus einem inneren Gefühl heraus: Es schien mir, als sei es Zeit, Abschied zu nehmen vom Fotografieren.

Mit etwas Abstand wurde mir bewusst, dass dieser Schritt weniger mit dem Hobby selbst zu tun hatte als mit einer leisen Resignation. Erst später, mit neuer Ruhe und ohne Erwartungsdruck, entstand der Wunsch, die Seite wieder aufzubauen – nicht als Rückblick, sondern als Ausdruck dessen, was heute noch Freude macht.

Die Erfahrung hat mir gezeigt:

Man darf etwas loslassen – aber man darf genauso gut wieder anfangen. Gerade im Alter kann das Weiterpflegen einer Leidenschaft neue Motivation, Struktur und Sinn schenken.

Roland Peter
Link zur wieder aufgebauten Homepage: pero-fotos.ch