Illegale Arzneimittelimporte bleiben in der Schweiz ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. Wie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit mitteilt, wurden im Jahr 2025 insgesamt 6’647 illegale Arzneimittelsendungen festgestellt. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Grossteil der Fälle betraf Bestellungen für den Eigengebrauch. In rund 94 Prozent der bearbeiteten Fälle konnte ein vereinfachtes Verfahren angewendet werden: Die betroffenen Personen wurden verwarnt, die beschlagnahmten Medikamente zum Schutz der Gesundheit vernichtet. Zusätzlich führte Swissmedic 70 ordentliche Verwaltungsverfahren durch.
Auffällig ist eine deutliche Veränderung bei den importierten Arzneimitteln. Zwar stellen Erektionsförderer weiterhin die grösste Produktgruppe dar, ihr Anteil ist jedoch rückläufig. Deutlich zugenommen haben hingegen Präparate gegen Haarausfall sowie hormonhaltige Produkte, darunter auch Melatonin.
Ebenfalls problematisch sind Importe von Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie Nasensprays und Abführmitteln. Besonders kritisch bleibt der illegale Bezug von Antibiotika und anderen Medikamenten gegen Krankheitserreger, da deren unkontrollierte Anwendung die Bildung von Resistenzen begünstigen kann.
Eine weitere markante Entwicklung betrifft die Herkunft der Sendungen. Während früher viele illegale Arzneimittel aus Asien oder Osteuropa stammten, kommen heute immer mehr Lieferungen aus westeuropäischen Ländern wie Frankreich oder Deutschland. Der Anteil aus Westeuropa ist innerhalb weniger Jahre stark angestiegen.
Besonders trügerisch sind dabei Online-Angebote, die sich als angeblich schweizerische Apotheken ausgeben. Mit Schweizer Symbolen, Domains oder Logos wird Seriosität vorgetäuscht – obwohl diese Anbieter weder in der Schweiz ansässig noch für den Versandhandel zugelassen sind.
Parallel zur Zunahme der Sendungen ist auch die Zahl der Strafverfahren deutlich gestiegen. Swissmedic führte 2025 nahezu doppelt so viele Verfahren wie im Vorjahr durch und arbeitete dabei eng mit kantonalen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Wiederholte Bestellungen trotz früherer Verwarnungen führten vermehrt zu strafrechtlichen Konsequenzen.
Im Rahmen einer internationalen Schwerpunktaktion im Herbst 2025 wurden zudem tausende Sendungen kontrolliert. Dabei zeigte sich, dass kriminelle Zwischenhändler Lieferungen gezielt in viele kleine Pakete aufteilen, um gesetzliche Einfuhrgrenzen zu umgehen. Durch die Auswertung solcher Muster konnten zahlreiche illegale Sendungen identifiziert und beschlagnahmt werden.
Der Markt für illegal importierte Arzneimittel passt sich laufend an. Neue Produkte, neue Lieferwege und immer professionellere Vertriebsstrukturen erschweren die Kontrolle. Die Behörden warnen deshalb eindringlich: Illegale Medikamente sind oft falsch dosiert, verunreinigt oder wirkungslos.
Eine konsequente Marktüberwachung sowie die Aufklärung der Bevölkerung bleiben zentral, um die gesundheitlichen Risiken zu minimieren und Konsumentinnen und Konsumenten vor gefährlichen Fehlkäufen zu schützen.