Jetzt sind wir alle Fotokünstler – Visento
Jetzt sind wir alle Fotokünstler
Technik/Digital
Von ChatGPT generiertes Bild zu diesem Thema. Ohne Vorgabe. Die KI hat selber entschieden, was sie zeigen will.

Jetzt sind wir alle Fotokünstler

14.10.2025
von Roland Peter · 994 x gelesen

Wer vor einigen Jahren ein Bild »machen« wollte, musste Kamera, Objektiv, Licht, Motivwahl, Komposition und Bearbeitung beherrschen. Heute reicht oft ein Satz Eingabetext – und Google, ChatGPT oder Microsoft spucken beeindruckende Bilder aus. KI-generierte Fotos boomen und eröffnen neue visuelle Wege für Kreative wie auch Laien. Aber was steckt dahinter? Was sind die Vorteile, was die Fallstricke – und welche Gefahren lauern in dieser neuen Kunstform?

Die Vorteile: Kreativität ohne Grenzen

Ein grosser Vorteil: "Zugang zu Kunst und Kreativität für alle". Du musst kein professioneller Fotograf sein – ein paar Wörter genügen, und schon entsteht ein Bild von einer Traumlandschaft, einem nostalgischen Porträt oder einer futuristischen Stadt. Diese Demokratisierung der Bildproduktion erleichtert die visuelle Gestaltung für Websites, Blogs, Marketing, Illustrationen und Social Media. Für visento.ch könnte eine Autorin mit wenig Fotografie-Erfahrung ein massgeschneidertes Titelbild generieren, das genau zur Stimmung des Beitrags passt.

Zudem sparen KI-Bilder oft Zeit und Kosten: Kein Fotoshooting, keine Reisekosten, kein Equipment. Und mit der richtigen Eingabe (Prompt) lassen sich Variationen erzeugen oder bestehende Werke bearbeiten. In manchen Fällen entstehen stimmungsvolle, stimmige Visuals in Minuten, wo man vorher Stunden investieren musste.

Die Grenzen: Wenn das Bild brüchig wird

Trotz aller Faszination sind KI-Bilder keine perfekten Kunstwerke – sie haben deutliche Schwächen. Text auf Bildern wird oft verfremdet oder falsch dargestellt. Hände, Finger oder Körperproportionen wirken oft noch seltsam. Details in schwierigen Bereichen (z. B. transparente Objekte, komplizierte Strukturen) können fehlerhaft sein. Die KI „halluziniert“ – sie erfindet Details ohne logische Basis.

Auch ist die kreative Kontrolle eingeschränkt. Du kannst bestimmen, welche Stimmung, welcher Stil, welche Elemente im Bild sein sollen – aber du kannst nicht im klassischen Sinne „fotografieren“, mit Lichtführung, Schärfentiefe oder subtiler Schattenführung eingreifen. Die KI-Bilder sind oft ein Kompromiss aus Prompt und Erwartung – und nicht immer exakt das, was du im Kopf hattest.

Die Gefahren: Urheberrecht, Deepfakes & Vertrauenskrisen

Ein zentrales Problem ist das "Urheberrecht". Viele KI-Modelle wurden mit riesigen Datensätzen bestehender Bilder trainiert, oft ohne Erlaubnis der Urheberinnen und Urheber. In der Schweiz wie auch international ist noch ungeklärt, welche Rechte Nutzer*innen haben: Dürfen sie KI-Bilder kommerziell verwenden? Wer ist der Urheber – der Promptgeber, der KI-Entwickler oder das zugrundeliegende Bildmaterial?

Dann gibt es das Thema "Deepfakes & Manipulation". KI-Tools können täuschend echte Gesichter, Filmszenen oder Ereignisse erzeugen, die nie stattgefunden haben. Diese Technik birgt ein enormes Risiko für Desinformation, Propaganda und Missbrauch. Wer garantiert, dass ein Bild nicht manipuliert ist? Wie erkennen wir Fake-Fotos?

Ein dritter Aspekt ist "Qualitätsabfall durch Automatisierung". Wenn viele Inhalte automatisiert erstellt werden, kann das zu visueller Monotonie führen. Auch könnte das Vertrauen in echte Fotografie abnehmen — wenn wir nicht mehr wissen, ob ein Bild real oder synthetisch ist.

Wie wir verantwortungsvoll mit KI-Fotos umgehen können

  • Transparenz: Kennzeichne KI-generierte Bilder, damit Nutzer wissen, dass es sich nicht um reale Aufnahmen handelt.
  • Prompt-Urheberschaft: Verstehe, dass du mit dem Prompt co-urheber*in des Bildes bist – aber dass die KI auch ihre Vorgaben hat.
  • Ethik & Sensibilität: Keine diskriminierenden Inhalte, keine gefälschten Ereignisse oder Persönlichkeiten, keine Erfindung von Dokumentarfotos.
  • Hybrid-Lösungen: Kombiniere KI-Generiertes mit echten Fotos (z. B. KI-Bild als Hintergrund, echtes Foto als Vordergrund).
  • Weiterbildung: Lerne, wie man gute Prompts schreibt, wie Bildrechte funktionieren und wie man KI-Bilder kritisch bewertet.

Fazit

Wir stehen in einem Paradigmenwechsel der Bildproduktion: Jeder kann plötzlich visuell gestalten – selbst ohne Kamera. „Jetzt sind wir alle Fotokünstler“ ist keine Hybris, sondern Ausdruck einer neuen Ära, in der Bild und Text, Mensch und Maschine ganz neu zusammenspielen.

Doch mit dieser Freiheit kommt Verantwortung. Wir müssen lernen, mit Grenzen und Fallstricken rund um Urheberrecht, Deepfakes und Qualität umzugehen. Nur so bleibt KI nicht ein Trend-Gimmick, sondern eine kreative Erweiterung – eine Einladung, visuelle Geschichten zu erzählen, ohne die Wirklichkeit zu verleugnen.

Wie man mit ChatGPT Bilder macht

Seit langem kann ChatGPT nicht nur Texte schreiben, sondern auch Bilder generieren. Dafür nutzt es die integrierte Bilder-KI „DALL·E“.

So geht’s Schritt für Schritt:

  1. https://chatgpt.com/ im browser eintippen, Seite öffnen und Beschreiben, was man sehen möchte: 
    Zum Beispiel:
    „z. B. ältere Frau am Laptop, die staunend ein KI-Bild betrachtet“
  2. ChatGPT erstellt das Bild automatisch:
    Nach wenigen Sekunden erscheint das gewünschte Motiv direkt im Chatfenster.
  3. Nachbessern möglich:
    Gefällt etwas nicht, kann man ChatGPT einfach anweisen:
    „Bitte mit hellerer Beleuchtung“ oder „mit einer Katze neben ihr“.
  4. Bild speichern:
    Das fertige Bild lässt sich anklicken und auf dem eigenen Computer sichern.


💡 Tipp:
Je genauer die Beschreibung, desto besser das Ergebnis. Man kann Stil, Licht, Perspektive und Stimmung erwähnen – z. B. „im Stil eines Ölgemäldes“, „sanftes Abendlicht“ oder „im Querformat für eine Website“.

So wird ChatGPT zum kreativen Werkzeug – auch für alle, die sonst keine Kamera oder Grafiksoftware nutzen. Probier’s aus!

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