So viel Mikroplastik gelangt aus der Luft in Böden und Gewässer – Visento
So viel Mikroplastik gelangt aus der Luft in Böden und Gewässer
Natur/Mitwelt
Jährlich werden Böden und Gewässer in der Schweiz mit mehr als 200 Tonnen Mikroplastikpartikeln aus der Atmosphäre belastet. Das zeigen Messungen unter anderem am Standort Dübendorf des Nationalen Beobachtungsnetzes für Luftfremdstoffe (NABEL). Bild: Empa

So viel Mikroplastik gelangt aus der Luft in Böden und Gewässer

10.09.2026
von MANUEL MARTIN · 13 x gelesen
Plastik verschwindet nicht einfach, wenn es in der Umwelt landet. Sonne, Regen und andere Einflüsse machen Kunststoff mit der Zeit spröde. Er zerfällt in immer kleinere Teilchen – sogenanntes Mikroplastik Diese winzigen Teilchen können vom Wind über weite Strecken transportiert werden.

Forschende der Empa, der Eawag und von Agroscope haben nun erstmals untersucht, wie viel Mikroplastik aus der Luft in der Schweiz auf Böden und Gewässer gelangt.

Das Ergebnis: Jährlich lagern sich in der Schweiz rund 219 Tonnen Mikroplastik ab. Davon landen schätzungsweise 78 Tonnen auf landwirtschaftlichen Flächen und rund 10 Tonnen direkt in Gewässern.

Mikroplastik auch ausserhalb der Städte

Die Forschenden sammelten ein Jahr lang an fünf verschiedenen Orten Proben – unter anderem in Zürich, Dübendorf, Magadino und im Jura. Dabei zeigte sich: In Zürich war die Belastung deutlich höher als an den anderen Standorten. Verkehr, eine dichte Besiedlung und viele Kunststoffprodukte spielen dabei vermutlich eine Rolle.

Überraschend war jedoch, dass die Werte ausserhalb der Stadt ziemlich ähnlich waren. Mikroplastik ist deshalb nicht nur ein Problem von Städten. Die kleinen Kunststoffteilchen werden über die Luft auch in ländliche und abgelegene Gebiete getragen.

Woher kommt das Mikroplastik?

Besonders häufig fanden die Forschenden PET, Polyethylen und Polypropylen. Diese Kunststoffe stecken zum Beispiel in Getränkeflaschen, Verpackungen, Folien und Behältern. PET wird ausserdem für Polyesterfasern in Kleidern verwendet. Auch Textilien könnten deshalb zur Belastung beitragen.

Reifenabrieb wurde bei dieser Untersuchung nicht berücksichtigt. Dazu läuft eine separate Studie.

Mit Regen und Schnee zurück auf die Erde

Mikroplastik gelangt auf zwei Wegen aus der Luft zurück auf die Erde: Es wird mit Regen oder Schnee ausgewaschen oder setzt sich bei trockenem Wetter ab. In der Schweiz macht die trockene Ablagerung rund 60 Prozent der Menge aus.

Die Folgen von Mikroplastik für Umwelt und Gesundheit sind noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch: Die kleinen Kunststoffteilchen sind inzwischen in der Luft, auf Böden und in Gewässern weit verbreitet und bauen sich nur sehr langsam ab.

Die Forschenden empfehlen deshalb, Plastik möglichst bewusst einzusetzen, Abfälle nicht in der Umwelt zurückzulassen und Kunststoffe möglichst wiederzuverwenden und zu recyceln.

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