8. März 2026: Abstimmung zur Individualbesteuerung – Das müssen Sie wissen – Visento
8. März 2026: Abstimmung zur Individualbesteuerung – Das müssen Sie wissen
Politik/Gesellschaft

8. März 2026: Abstimmung zur Individualbesteuerung – Das müssen Sie wissen

26.01.2026
von Roland Peter · 148 x gelesen
Derzeit werden verheiratete Paare in der Schweiz zusammen besteuert Das bedeutet: Die Einkommen beider Partner werden zusammengezählt und dann besteuert. Das führt zu einem Effekt, den viele als unfair empfinden: Das Paar zahlt oft mehr Steuern, als wenn beide einzeln besteuert würden – die sogenannte „Ehestrafsteuer"

Der Gegenvorschlag zur Steuergerechtigkeits-Initiative sieht vor: Jeder Ehepartner soll einzeln besteuert werden – genau wie unverheiratete Personen.

Konkret: Wenn Frau Müller 80.000 Franken verdient und Herr Müller 60.000 Franken, würden beide ihre Steuern nach ihrem Einzeleinkommen berechnen – nicht nach dem gemeinsamen Einkommen von 140.000 Franken.

Die Argumente der Befürworter

✅ Argument 1: Gerechtigkeit für berufstätige Frauen

Besonders Frauen, die arbeiten gehen, werden durch die heutige Regelung benachteiligt. Wenn eine Frau zurück in den Beruf geht, wird ihr Einkommen oft so hoch besteuert, dass sich die Arbeit kaum lohnt. Mit Individualbesteuerung hätte sie einen Anreiz, zu arbeiten.

Beispiel: Eine Frau verdient 50.000 Franken. Mit Individualbesteuerung zahlt sie Steuern auf 50.000 Franken. Mit Zusammenveranlagung zahlt sie Steuern auf ihren Anteil am gemeinsamen Einkommen – oft deutlich mehr.

✅ Argument 2: Mehr Frauen in den Arbeitsmarkt

Wenn sich Arbeit für Frauen mehr lohnt, werden mehr Frauen arbeiten gehen. Das ist gut für die Wirtschaft, für die AHV und für die Gleichstellung.

✅ Argument 3: Moderne Lebensformen unterstützen

Nicht alle Paare funktionieren nach dem klassischen Schema „Hauptverdiener + Hausfrau". Mit Individualbesteuerung werden moderne Lebensformen (z.B. zwei berufstätige Partner) gerechter behandelt.

✅ Argument 4: Internationale Standards

Viele andere Länder (Deutschland, Österreich, skandinavische Länder) besteuern Ehepartner bereits einzeln. Die Schweiz würde damit internationalen Standards folgen.

Die Argumente der Gegner

❌ Argument 1: Verlust von Steuersubventionen für Familien

Die heutige Zusammenveranlagung ist auch eine Art Familienförderung. Ein Paar mit Kindern zahlt weniger Steuern als zwei unverheiratete Personen mit gleichem Einkommen. Mit Individualbesteuerung würde diese Unterstützung wegfallen – Familien würden mehr zahlen.

Beispiel: Ein verheiratetes Paar mit Kindern würde ca. 1.000–2.000 Franken mehr Steuern pro Jahr zahlen.

❌ Argument 2: Belastung für traditionelle Familien

Paare, bei denen ein Partner nicht arbeitet (oder weniger arbeitet), würden belastet. Das trifft oft Familien, die sich bewusst für diese Aufteilung entschieden haben.

❌ Argument 3: Massive Steuerausfälle für die Kantone

Kantone und Gemeinden würden Hunderte von Millionen Franken verlieren. Das müsste durch andere Steuern oder Sparmaßnahmen kompensiert werden.

❌ Argument 4: Komplexität und Bürokratie

Die Umstellung auf Individualbesteuerung ist komplex. Es braucht neue Gesetze, neue Formulare, neue Computersysteme. Das kostet Zeit und Geld.

❌ Argument 5: Keine echte Lösung

Gegner argumentieren: Das Problem ist nicht die Zusammenveranlagung, sondern die progressive Steuerung (höhere Einkommen zahlen prozentual mehr). Mit Individualbesteuerung würde dieses Problem bleiben.

Was bedeutet das konkret für Sie?

Wenn Sie verheiratet sind und beide arbeiten:

  • 💰 Wahrscheinlich würden Sie weniger Steuern zahlen
  • 📈 Der Anreiz für den Partner zu arbeiten würde steigen

Wenn Sie verheiratet sind und ein Partner arbeitet nicht:

  • 💸 Sie würden wahrscheinlich mehr Steuern zahlen
  • 👨‍👩‍👧 Ihre Familienförderung würde sinken

Wenn Sie unverheiratet sind:

  • ➡️ Für Sie ändert sich nichts – Sie werden bereits einzeln besteuert

Für Seniorinnen und Senioren:

  • 📋 Die meisten Rentner profitieren von der heutigen Regelung
  • 💡 Wenn Sie noch arbeiten und verheiratet sind mit einem nicht-arbeitenden Partner, könnte Individualbesteuerung von Vorteil sein

Was sagen die Parteien?

Befürworter: SP, Grüne, FDP (teilweise), Teile der CVP

Gegner: SVP, CVP (teilweise), Teile der FDP

Hinweis: Die Parteien sind sich nicht einig. Viele Parteien haben keine einheitliche Position.

Die Zahlen

Gewinner:

  • Etwa 30–40% der Haushalte würden weniger Steuern zahlen
  • Vor allem: Paare, bei denen beide verdienen

Verlierer:

  • Etwa 60–70% der Haushalte würden mehr zahlen oder gleich viel
  • Vor allem: Familien mit Kindern, Paare mit ungleichem Einkommen

Gesamtbudget: Der Staat würde etwa 1–2 Milliarden Franken pro Jahr weniger Steuern einnehmen.

Häufig gestellte Fragen

F: Gilt das auch für eingetragene Partnerschaften?

A: Ja, auch gleichgeschlechtliche Paare wären betroffen.

F: Kann ich mir aussuchen, wie ich besteuert werde?

A: Nein, die Regelung würde für alle gelten.

F: Ändert sich etwas bei der AHV?

A: Nein, die AHV-Regeln bleiben gleich.

F: Wann würde es in Kraft treten?

A: Wenn die Abstimmung Ja erhält, wahrscheinlich 2027 oder 2028.

Was sollten Sie tun?

1. Informieren Sie sich

Lesen Sie die offizielle Abstimmungsbroschüre, die Sie von der Gemeinde erhalten. Sie enthält die detaillierten Argumente beider Seiten.

2. Rechnen Sie nach

Viele Kantone bieten Online-Rechner an. Damit können Sie sehen, wie die Abstimmung Sie persönlich betreffen würde.

3. Diskutieren Sie

Sprechen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten. Es ist wichtig, verschiedene Perspektiven zu hören.

4. Gehen Sie abstimmen

Egal wie Sie abstimmen – gehen Sie hin! Ihre Stimme zählt.

Fazit: Eine wichtige Entscheidung

Die Individualbesteuerung ist eine bedeutende Frage für die Schweiz. Sie betrifft Millionen von Haushalten – und hat Auswirkungen auf Gleichstellung, Wirtschaft und Familienpolitik.

Es gibt gute Argumente auf beiden Seiten. Letztendlich müssen Sie selbst entscheiden, welche Werte Ihnen wichtiger sind:

  • 💼 Gleichstellung und Anreize zum Arbeiten?
  • 👨‍👩‍👧 Oder Familienförderung und finanzielle Sicherheit für traditionelle Familienmodelle?

Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie einen Kommentar!


Hinweis: Dieser Artikel versucht, beide Seiten fair darzustellen. Er ersetzt nicht die offizielle Abstimmungsbroschüre oder eine persönliche Beratung.

Kommentare

Kommentare

Bisherige Kommentare (0)

Noch keine Kommentare vorhanden.

← Zurück zur Übersicht
100%