Der Gegenvorschlag zur Steuergerechtigkeits-Initiative sieht vor: Jeder Ehepartner soll einzeln besteuert werden – genau wie unverheiratete Personen.
Konkret: Wenn Frau Müller 80.000 Franken verdient und Herr Müller 60.000 Franken, würden beide ihre Steuern nach ihrem Einzeleinkommen berechnen – nicht nach dem gemeinsamen Einkommen von 140.000 Franken.
✅ Argument 1: Gerechtigkeit für berufstätige Frauen
Besonders Frauen, die arbeiten gehen, werden durch die heutige Regelung benachteiligt. Wenn eine Frau zurück in den Beruf geht, wird ihr Einkommen oft so hoch besteuert, dass sich die Arbeit kaum lohnt. Mit Individualbesteuerung hätte sie einen Anreiz, zu arbeiten.
Beispiel: Eine Frau verdient 50.000 Franken. Mit Individualbesteuerung zahlt sie Steuern auf 50.000 Franken. Mit Zusammenveranlagung zahlt sie Steuern auf ihren Anteil am gemeinsamen Einkommen – oft deutlich mehr.
✅ Argument 2: Mehr Frauen in den Arbeitsmarkt
Wenn sich Arbeit für Frauen mehr lohnt, werden mehr Frauen arbeiten gehen. Das ist gut für die Wirtschaft, für die AHV und für die Gleichstellung.
✅ Argument 3: Moderne Lebensformen unterstützen
Nicht alle Paare funktionieren nach dem klassischen Schema „Hauptverdiener + Hausfrau". Mit Individualbesteuerung werden moderne Lebensformen (z.B. zwei berufstätige Partner) gerechter behandelt.
✅ Argument 4: Internationale Standards
Viele andere Länder (Deutschland, Österreich, skandinavische Länder) besteuern Ehepartner bereits einzeln. Die Schweiz würde damit internationalen Standards folgen.
❌ Argument 1: Verlust von Steuersubventionen für Familien
Die heutige Zusammenveranlagung ist auch eine Art Familienförderung. Ein Paar mit Kindern zahlt weniger Steuern als zwei unverheiratete Personen mit gleichem Einkommen. Mit Individualbesteuerung würde diese Unterstützung wegfallen – Familien würden mehr zahlen.
Beispiel: Ein verheiratetes Paar mit Kindern würde ca. 1.000–2.000 Franken mehr Steuern pro Jahr zahlen.
❌ Argument 2: Belastung für traditionelle Familien
Paare, bei denen ein Partner nicht arbeitet (oder weniger arbeitet), würden belastet. Das trifft oft Familien, die sich bewusst für diese Aufteilung entschieden haben.
❌ Argument 3: Massive Steuerausfälle für die Kantone
Kantone und Gemeinden würden Hunderte von Millionen Franken verlieren. Das müsste durch andere Steuern oder Sparmaßnahmen kompensiert werden.
❌ Argument 4: Komplexität und Bürokratie
Die Umstellung auf Individualbesteuerung ist komplex. Es braucht neue Gesetze, neue Formulare, neue Computersysteme. Das kostet Zeit und Geld.
❌ Argument 5: Keine echte Lösung
Gegner argumentieren: Das Problem ist nicht die Zusammenveranlagung, sondern die progressive Steuerung (höhere Einkommen zahlen prozentual mehr). Mit Individualbesteuerung würde dieses Problem bleiben.
Wenn Sie verheiratet sind und beide arbeiten:
Wenn Sie verheiratet sind und ein Partner arbeitet nicht:
Wenn Sie unverheiratet sind:
Für Seniorinnen und Senioren:
Befürworter: SP, Grüne, FDP (teilweise), Teile der CVP
Gegner: SVP, CVP (teilweise), Teile der FDP
Hinweis: Die Parteien sind sich nicht einig. Viele Parteien haben keine einheitliche Position.
Gewinner:
Verlierer:
Gesamtbudget: Der Staat würde etwa 1–2 Milliarden Franken pro Jahr weniger Steuern einnehmen.
F: Gilt das auch für eingetragene Partnerschaften?
A: Ja, auch gleichgeschlechtliche Paare wären betroffen.
F: Kann ich mir aussuchen, wie ich besteuert werde?
A: Nein, die Regelung würde für alle gelten.
F: Ändert sich etwas bei der AHV?
A: Nein, die AHV-Regeln bleiben gleich.
F: Wann würde es in Kraft treten?
A: Wenn die Abstimmung Ja erhält, wahrscheinlich 2027 oder 2028.
1. Informieren Sie sich
Lesen Sie die offizielle Abstimmungsbroschüre, die Sie von der Gemeinde erhalten. Sie enthält die detaillierten Argumente beider Seiten.
2. Rechnen Sie nach
Viele Kantone bieten Online-Rechner an. Damit können Sie sehen, wie die Abstimmung Sie persönlich betreffen würde.
3. Diskutieren Sie
Sprechen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten. Es ist wichtig, verschiedene Perspektiven zu hören.
4. Gehen Sie abstimmen
Egal wie Sie abstimmen – gehen Sie hin! Ihre Stimme zählt.
Die Individualbesteuerung ist eine bedeutende Frage für die Schweiz. Sie betrifft Millionen von Haushalten – und hat Auswirkungen auf Gleichstellung, Wirtschaft und Familienpolitik.
Es gibt gute Argumente auf beiden Seiten. Letztendlich müssen Sie selbst entscheiden, welche Werte Ihnen wichtiger sind:
Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie einen Kommentar!
Hinweis: Dieser Artikel versucht, beide Seiten fair darzustellen. Er ersetzt nicht die offizielle Abstimmungsbroschüre oder eine persönliche Beratung.
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