Noch fahrtüchtig mit 75? Was eine neue Studie über die Fahrprüfung im Alter sagt
12.05.2026
von visento
· 53 x gelesen
Eine nationale Studie – durchgeführt von der Hochschule Lausanne und der ZHAW – hat untersucht, wie die Fahrtauglichkeit von über 75-Jährigen heute beurteilt wird. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die aktuellen Tests sind kaum in der Lage, die tatsächliche Fahrkompetenz zuverlässig einzuschätzen.
Heisst im Klartext: Es kann passieren, dass jemand den Ausweis abgeben muss, obwohl er problemlos fahren könnte. Und umgekehrt: Jemand behält den Ausweis, obwohl er besser nicht mehr fahren sollte. Beides ist nicht gut.
🔍 Was heute schiefläuft
Nur Ärzte entscheiden: Aktuell beurteilen hauptsächlich Hausärzte die Fahrtauglichkeit. Fachleute wie Neuropsychologen, Ergotherapeuten oder Fahrlehrer – die im Ausland längst einbezogen werden – bleiben aussen vor.
Kantönligeist: Jeder Kanton macht es anders. In Zürich läuft es anders als in Bern, in der Waadt anders als im Wallis. Das führt zu Ungleichbehandlung.
Tests messen das Falsche: Viele der verwendeten Tests wurden nicht fürs Autofahren entwickelt. Sie messen zwar kognitive Fähigkeiten – aber ob jemand sicher Auto fährt, ist nochmal etwas anderes.
💡 Was die Studie vorschlägt
Die Forscherinnen und Forscher haben vier konkrete Verbesserungen erarbeitet:
Ein einheitlicher, standardisierter Test – für die ganze Schweiz gleich. Schluss mit Kantönligeist.
Ein vierstufiges Bewertungssystem:
🟢 Uneingeschränkt fahrtüchtig
🟡 Fahrtüchtig mit Auflagen (z.B. nur tagsüber)
🟠 Weitere Abklärung nötig
🔴 Sofortiger Ausweisentzug
Obligatorische Weiterbildung für Ärzte – wer die Fahrtauglichkeit beurteilt, muss dafür ausgebildet sein. Klingt logisch? Ist es heute nicht.
Unterstützung für alle, die den Ausweis abgeben: Wer nicht mehr fahren darf, braucht Alternativen – nicht nur einen Brief mit schlechten Nachrichten.
🎯 Was heisst das für uns?
Seien wir ehrlich: Das Thema ist heikel. Niemand gibt gerne den Ausweis ab. Das Auto bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung. Gerade auf dem Land, wo der Bus zweimal am Tag fährt, ist der Führerschein kein Luxus – er ist Lebensqualität.
Aber: Sicherheit geht vor. Für uns selbst, für unsere Enkel auf dem Schulweg, für alle.
Was wir verlangen dürfen:
Einen fairen Test, der wirklich misst, ob wir fahren können – nicht ob wir ein abstraktes Rätsel lösen können
Gleichbehandlung in der ganzen Schweiz
Respekt – wir sind nicht per se eine Gefahr, nur weil wir 75 sind
Alternativen, wenn es wirklich nicht mehr geht
Die Studienleiterin Isabel Margot-Cattin bringt es auf den Punkt: «Die Herausforderung besteht darin, die Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig die gesellschaftliche Teilhabe und Mobilität aller zu unterstützen.»
Kurz gesagt: Nicht einfach den Ausweis wegnehmen – sondern fair, einheitlich und menschlich beurteilen. Das dürfen wir erwarten. 🚗👴👵