Cyberangriffe und Kriege: Warum die Schweiz aufrüsten will – und wer das bezahlen soll – Visento
Cyberangriffe und Kriege: Warum die Schweiz aufrüsten will – und wer das bezahlen soll
Politik/Gesellschaft

Cyberangriffe und Kriege: Warum die Schweiz aufrüsten will – und wer das bezahlen soll

12.05.2026
von visento · 40 x gelesen

Der Bundesrat veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht darüber, wie sicher die Schweiz ist. Der neuste Bericht ist deutlich: Die Lage hat sich in den letzten zwölf Monaten spürbar verschlechtert. Und zwar sowohl innerhalb der Schweiz als auch drum herum.

Zwei Hauptgefahren stehen im Zentrum:

  • Von innen: Cyberangriffe auf wichtige Einrichtungen wie Spitäler, Stromnetze, Wasserversorgung oder Verkehrssysteme
  • Von aussen: Der Krieg in der Ukraine, der Konflikt im Nahen Osten – und die Unsicherheit, ob die USA Europa im Ernstfall noch helfen würden

💻 Cyberangriffe – was heisst das konkret?

Stellen Sie sich vor: Ein Hacker legt das Computersystem eines Spitals lahm. Keine Patientendaten, keine Operationsplanung, kein Notruf. Oder: Jemand greift das Stromnetz an. Kein Licht, kein Kühlschrank, keine Heizung. Nicht für Minuten – für Tage.

Das klingt nach Science-Fiction? Ist es nicht. Solche Angriffe passieren bereits – in der Schweiz und in Europa. Und sie werden häufiger.

Der Bundesrat nennt das «hybride Kriegsführung». Ein sperriges Wort für eine einfache Idee: Man greift ein Land an, ohne eine einzige Bombe zu werfen. Stattdessen:

  • 💻 Hackerangriffe auf Computer und Netzwerke
  • 📱 Falschnachrichten in sozialen Medien, um die Bevölkerung zu verunsichern
  • 🕵️ Spionage bei Firmen, Hochschulen und Behörden
  • 🔧 Sabotage an wichtigen Einrichtungen

Das Ziel: Chaos stiften, Vertrauen zerstören, ein Land destabilisieren – ohne dass ein Soldat die Grenze überschreitet.

🌍 Was passiert rund um die Schweiz?

Die Schweiz ist zwar neutral – aber nicht unsichtbar. Der Bundesrat benennt drei grosse Gefahren von aussen:

  1. Russlands Krieg gegen die Ukraine: Russland setzt gezielt Cyberangriffe, Spionage und Desinformation gegen europäische Länder ein. Auch die Schweiz ist betroffen. Zudem versucht Russland, über Umwege an Schweizer Technologie zu kommen, um Sanktionen zu umgehen.
  2. Der Konflikt im Nahen Osten: Er destabilisiert die Region, beeinflusst die Energiepreise und verschärft den Machtkampf der Grossmächte.
  3. Ungewisse Rolle der USA: Ob Amerika Europa im Ernstfall noch verteidigen würde, ist unklar. Deshalb rüsten viele europäische Länder auf – und die Schweiz will mitziehen.

🇨🇭 Was bedroht die Schweiz direkt?

Der Bericht nennt fünf konkrete Gefahren:

Bedrohung Was dahintersteckt
Angriffe auf Infrastruktur Hacker oder Saboteure greifen Strom, Wasser, Spitäler oder Verkehr an
Extremismus Junge Menschen radikalisieren sich über soziale Medien – links wie rechts
Terrorismus Dschihadisten radikalisieren Jugendliche online; IS-Anhänger fliehen aus Lagern in Syrien
Spionage Ausländische Geheimdienste spionieren Schweizer Firmen, Unis und Behörden aus
Technologiediebstahl Andere Staaten wollen Schweizer Hightech – legal oder illegal

💰 Was will der Bundesrat tun – und was kostet es?

Der Bundesrat will mehr Geld für die Armee und für zivile Sicherheitsbehörden (z.B. das Bundesamt für Cybersicherheit). Und dieses Geld soll von uns kommen – über eine befristete Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Was das konkret heisst:

  • Alles, was Sie kaufen, wird ein kleines bisschen teurer
  • Die Erhöhung soll zeitlich begrenzt sein (nicht für immer)
  • Das Geld fliesst in Cyberabwehr, Armee und Schutz vor hybriden Angriffen

Der Vorschlag ist derzeit in der Vernehmlassung – das heisst, Parteien, Kantone und Verbände können ihre Meinung dazu abgeben. Danach entscheidet das Parlament. Und weil es um die Mehrwertsteuer geht, braucht es am Ende eine Volksabstimmung. Sie werden also mitreden können.

🤔 Was heisst das für mich persönlich?

Unmittelbar: noch nichts. Aber es lohnt sich, ein paar Dinge im Hinterkopf zu behalten:

  • Vorsicht im Internet: Klicken Sie nicht auf verdächtige Links in E-Mails oder SMS. Geben Sie nie Passwörter oder Bankdaten am Telefon preis. Das sind die häufigsten Einfallstore für Hacker.
  • Falschnachrichten erkennen: Nicht alles, was auf Facebook oder WhatsApp geteilt wird, ist wahr. Besonders vor Abstimmungen wird gezielt manipuliert.
  • Notvorrat: Der Bund empfiehlt seit Jahren, einen Vorrat für einige Tage zu Hause zu haben (Wasser, Lebensmittel, Medikamente, Bargeld). Das ist keine Panikmache – sondern Vernunft.

Die Schweiz ist sicher – aber nicht unverwundbar. Und Sicherheit gibt es nicht gratis. Die Frage ist nur: Wie viel ist sie uns wert? 🇨🇭🔒

← Zurück zur Übersicht
100%