«Hoii, noch aktuell?»
Von: Lorena – 077 984 04 XX (whatsap schrib mir bitte!)
Bereits hier fällt auf: Die Käuferin drängt sofort auf WhatsApp. Warum? Weil sie dort ausserhalb der geschützten Plattform von tutti.ch agieren kann – ohne Überwachung, ohne Sicherheitsnetz.
Auf WhatsApp verläuft die Konversation zunächst völlig normal. «Lorena» fragt nach dem Zustand des Artikels, wann er gekauft wurde und ob er noch wie auf den Bildern aussehe. Der Verkäufer antwortet ehrlich und offen, liefert sogar den Kaufbeleg mit. Alles wirkt seriös.
Dann kommt die entscheidende Frage:
«Darf ich fragen, wo sie sich befinden? Ich bespreche das noch kurz mit meinem Mann und melde mich dann, wann wir es abholen können.»
Der Verkäufer gibt seine Adresse bekannt. Eine persönliche Übergabe wäre der sicherste Weg – doch genau das wird die «Käuferin» geschickt verhindern.
Wenige Stunden später die Wende:
«Für uns wäre es einfacher, eine Transportfirma zu organisieren, die die Ware zu uns liefert. Natürlich übernehmen wir die Kosten und zahlen im Voraus per Twint.»
Der Verkäufer schlägt vernünftigerweise den normalen Postversand vor – für 9 Franken, ganz unkompliziert. Er bittet um eine Postanschrift und verweist auf seine Telefonnummer für die TWINT-Zahlung. Doch «Lorena» geht darauf nicht ein.
Nur 18 Minuten später kommt die entscheidende Nachricht – diesmal im breiten Berndeutsch, um Nähe und Vertrauen zu suggerieren:
«Alles ready. Ds Postwesen het bestätigt, ich han d'Lieferig zahlt und mini Adress gschickt. Unde isch es PDF mit dr Uftragsbestätigung. Bitte churz ahluege und bestätige. S'Geld chasch über de roten Knopf uf TWINT überwiise, gaht schnell.»
Und gleich hinterher – plötzlich wieder auf Hochdeutsch:
«Bitte lassen Sie es mich wissen, nachdem Sie die Quittung gelesen haben und das Geld erhalten haben.»
Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: Der Verkäufer soll auf einen «roten Knopf» in einem zugeschickten PDF klicken, um angeblich Geld zu empfangen. Das ist natürlich absurd – und genau hier liegt der Betrug:
In diesem Fall hat der Verkäufer richtig reagiert und ist nicht auf den «roten Knopf» hereingefallen. Die Masche ist perfid, weil sie mit netten Nachrichten, Mundart und scheinbarer Hilfsbereitschaft Vertrauen aufbaut – um dann im entscheidenden Moment zuzuschlagen.
Teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden. Gerade ältere Menschen, die gelegentlich etwas auf Online-Plattformen verkaufen, sind beliebte Ziele dieser Betrüger. Aufklärung ist der beste Schutz.
Quelle: Reale Korrespondenz eines Betrugsversuchs vom April 2026, anonymisiert dokumentiert. Veröffentlicht auf visento.ch im Interesse der Prävention.
Wenn Sie Opfer eines Online-Betrugs geworden sind oder einen Betrugsversuch bemerkt haben, sollten Sie diesen unbedingt melden – auch wenn kein finanzieller Schaden entstanden ist. Jede Meldung hilft, andere zu schützen.
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Bundesamt für Cybersicherheit (BACS, ehem. NCSC) Cybervorfälle und Betrugsversuche online melden: 🔗 report.ncsc.admin.ch Phishing-Seiten melden: antiphishing.ch |
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Cybercrimepolice.ch Neue Betrugsmaschen melden (Warnung für die Bevölkerung): 🔗 cybercrimepolice.ch/de/ereignis-melden |
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| 📞 | Polizei-Notruf: 117 (bei akuter Gefahr) |
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