Einsamkeit in der Adventszeit – wenn die stille Zeit zu still wird – Visento
Einsamkeit in der Adventszeit – wenn die stille Zeit zu still wird
Ratgeber

Einsamkeit in der Adventszeit – wenn die stille Zeit zu still wird

30.11.2025
von pero · 11 x gelesen

Die Advents- und Weihnachtszeit gilt als besinnlich, warm und voller gemeinsamer Momente. Doch nicht alle Menschen erleben diese Wochen als festlich. Gerade Seniorinnen und Senioren spüren in dieser Zeit oft besonders deutlich, wenn vertraute Menschen fehlen oder der Kreis der sozialen Kontakte kleiner geworden ist.

Viele ältere Menschen haben in ihrem Leben Verluste erlebt – den Tod des Partners, das Wegziehen von Familienmitgliedern oder die Veränderung im Freundeskreis. Was früher selbstverständlich war – ein gemeinsames Essen, ein Besuch am Nachmittag oder ein kurzer Schwatz – ist heute seltener. Die Dunkelheit, die ruhigeren Tage und die Erwartungen an ein «perfektes» Weihnachtsfest können das Gefühl der Einsamkeit zusätzlich verstärken.

Warum sich Einsamkeit gerade jetzt zeigt

Einsamkeit ist nicht nur ein fehlender Kontakt. Sie bedeutet oft auch, niemanden zu haben, der wirklich zuhört oder mit dem man Erinnerungen teilen kann. In der Adventszeit verschärfen kleine Auslöser dieses Empfinden: Weihnachtsmusik, Lichterketten oder alte Traditionen wecken Erinnerungen – manchmal schöne, manchmal schmerzhafte.

Hinzu kommt, dass Menschen im höheren Alter oft weniger mobil sind. Wer nicht mehr Auto fährt oder gesundheitlich eingeschränkt ist, verlässt das Haus seltener. So entstehen stille Tage, die sich wie endlose Wochen anfühlen können.

Was hilft gegen das stille Gefühl?

Zum Glück gibt es Wege, Einsamkeit zu begegnen – viele davon sind kleiner, als man denkt. Ein erster Schritt kann sein, bewusst über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen. Ein Telefonat mit der Familie, ein kurzer Besuch bei Nachbarn oder ein Treffen mit einer vertrauten Person kann viel Wärme bringen.

In vielen Gemeinden werden während der Adventszeit Veranstaltungen angeboten – vom gemütlichen Adventsfenster über offene Mittagstische bis zu Chorkonzerten. Solche Anlässe sind niedrigschwellig und bieten eine gute Möglichkeit, unter Menschen zu kommen, ohne Druck und ohne Verpflichtung.

Auch digitale Wege helfen: Ein Videoanruf, der Kontakt zu einem Enkelkind oder ein Nachrichtenaustausch können Nähe schaffen, selbst wenn die Kilometer dazwischen liegen.

Mut zur kleinen Geste

Wer sich einsam fühlt, hat jedes Recht, Unterstützung zu suchen. Und wer noch Kraft hat, anderen etwas zu schenken, kann viel bewegen: ein kurzer Gruss im Treppenhaus, ein spontaner Kaffeebesuch oder eine Einladung zu einem stillen Adventsspaziergang. Oft sind es gerade im Alter die kleinen Gesten, die grosse Wirkung zeigen.

Die Adventszeit darf ruhig, warm und menschlich sein – ohne Perfektion. Und sie darf auch Raum bieten, ehrlich über Gefühle zu sprechen. Denn Einsamkeit ist keine Schwäche. Sie ist ein Zeichen dafür, wie wichtig Nähe im Leben ist.

Vielleicht ist dieses Weihnachten die richtige Zeit, sich selbst oder einem anderen Menschen einen Moment der Verbundenheit zu schenken.

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ℹ️ Info

Ressourcen und Hilfe

  • Telefonseelsorge Schweiz: 143 (rund um die Uhr erreichbar)
  • Pro Senectute: Beratung und Unterstützung für ältere Menschen
  • Lokale Gemeinden und Kirchen: Informationen zu Weihnachtsfeiern und Besuchsdiensten
  • Seniorenorganisationen in Ihrer Region: Aktivitäten und Kontaktmöglichkeiten