Die Schweizer Neutralität funktioniert seit über 180 Jahren – gerade weil sie flexibel und pragmatisch angewendet wird. Bundesrat Ignazio Cassis bringt es auf den Punkt: «Nicht weil wir weniger Neutralität wollen, sondern weil sich unsere bisherige Neutralität bewährt hat.» Starre Regeln in der Verfassung würden diese Stärke zerstören.
In einer unsicheren Welt braucht unsere Armee den Austausch mit Partnerstaaten – sei es bei gemeinsamen Übungen, Cyberabwehr oder Informationsaustausch. Die Initiative verbietet dies praktisch vollständig. Staatssekretär Markus Mäder warnt: Ohne solche Zusammenarbeit verliert die Schweiz ihre abschreckende Wirkung. Wer erst bei einem Angriff mit der Kooperation beginnt, ist schlicht zu spät.
Mitte-Vizepräsidentin Marianne Binder spricht von einer «absolut desaströsen» Wirkung für unsere Sicherheit. Wenn die Schweiz keine Sanktionen mehr mittragen kann, verliert sie Vertrauen und Ansehen in der Weltgemeinschaft. Auch unsere Rolle als geschätzte Vermittlerin bei internationalen Konflikten wäre in Gefahr.
Selbst bei schwersten Völkerrechtsverletzungen – wie Angriffskriegen – dürfte die Schweiz keine Sanktionen mehr verhängen (ausser UNO-Sanktionen, die aber oft durch Vetos blockiert werden). Das bedeutet: Wir stünden bei Konflikten wie dem Krieg gegen die Ukraine praktisch tatenlos daneben. Neutral sein heisst nicht, Unrecht einfach hinzunehmen.
Ein Ja zur Initiative könnte die Schweiz als verlässlichen Handelspartner in Frage stellen. 2025 gingen 86 % der Schweizer Kriegsmaterialexporte nach Europa. Wenn europäische Länder an unserer Verlässlichkeit zweifeln, könnten sie ihre Beschaffungen anderswo tätigen – mit direkten Folgen für Arbeitsplätze in der Schweiz.
Eine überparteiliche Allianz von SP, Grünen, GLP, Mitte und FDP kämpft gemeinsam gegen die Initiative. Auch der Bundesrat und das Parlament empfehlen klar ein NEIN.
🗓️ Abstimmung: 27. September 2026
Bundesrat und Parlament empfehlen: NEIN
Quellen: Bundesrat (admin.ch), SRF Abstimmungs-Arena, 20 Minuten, swissinfo.ch | Zusammengestellt für visento.ch