Wohnen in der Schweiz: Eine grosse Herausforderung für die Zukunft – Visento
Wohnen in der Schweiz: Eine grosse Herausforderung für die Zukunft
Politik/Gesellschaft

Wohnen in der Schweiz: Eine grosse Herausforderung für die Zukunft

10.03.2026
von pero · 33 x gelesen
Wohnen gehört zu den wichtigsten Grundbedürfnissen des Menschen. Deshalb hat der Staat in der Schweiz auch die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass möglichst alle Menschen eine passende Wohnung zu bezahlbaren Preisen finden können. Dieses Ziel ist sogar in der Bundesverfassung festgehalten.

Der Bund unterstützt dieses Ziel zum Beispiel durch die Förderung von Wohnraum und durch den Schutz der Mieterinnen und Mieter im Mietrecht. Auch die Sozialversicherungen spielen eine Rolle: Bei den Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV werden beispielsweise die Wohnkosten berücksichtigt. Damit sollen ältere Menschen oder Menschen mit einer Behinderung ihre Wohnung weiterhin bezahlen können.

Zusätzlich gibt es verschiedene Unterstützungen, die das Wohnen zu Hause erleichtern. Dazu gehören etwa Hilfsmittel der IV, eine Hilflosenentschädigung oder Beiträge für Assistenzpersonen. Auch Organisationen, die älteren Menschen ein selbstständiges Leben ermöglichen, werden unterstützt.

Immer mehr Menschen brauchen Wohnraum

Die Bevölkerung der Schweiz wächst weiter. Heute leben rund 9,1 Millionen Menschen im Land. Nach Schätzungen des Bundesamts für Statistik könnten es bis 2040 fast 10 Millionen sein und bis 2055 sogar etwa 10,5 Millionen.

Besonders stark wächst die Bevölkerung in den Agglomerationen rund um die grossen Städte. Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Haushalte deutlich.

Ein wichtiger Trend: Immer mehr Menschen leben allein. Seit 1970 hat sich die Zahl der Einpersonenhaushalte vervierfacht. Auch Paare ohne Kinder sind häufiger geworden. Familien mit Kindern hingegen sind etwa gleich häufig geblieben.

Ein Grund dafür ist die alternde Gesellschaft. Viele Kinder der sogenannten Babyboomer-Generation sind längst ausgezogen. Gleichzeitig werden weniger Kinder geboren.

Die Schweiz braucht mehr – und kleinere – Wohnungen

Die Folge dieser Entwicklung ist klar: In Zukunft braucht die Schweiz deutlich mehr Wohnungen. Besonders gefragt sind kleinere Wohnungen für Einzelpersonen oder Paare.

Da Bauland in der Schweiz begrenzt ist, entsteht zusätzlicher Druck auf den Wohnungsmarkt. Schon heute liegt der Anteil leerer Wohnungen nur noch bei etwa einem Prozent. Das bedeutet: Es gibt sehr wenig freie Wohnungen.

Wenn Wohnungen knapp sind, steigen meist auch die Mietpreise. Für viele Haushalte sind die Wohnkosten bereits heute der grösste Ausgabenposten im Budget.

Menschen mit wenig Einkommen besonders betroffen

Besonders schwierig ist die Situation für Menschen mit tiefem Einkommen. Haushalte mit weniger als 4000 Franken Einkommen müssen im Durchschnitt mehr als ein Drittel ihres Einkommens für die Miete ausgeben.

Bei Haushalten mit höherem Einkommen liegt dieser Anteil deutlich tiefer. Die Wohnkosten werden dadurch zu einem wichtigen Faktor für soziale Ungleichheit.

Viele einkommensschwache Haushalte leben zudem in Wohnungen, die nicht ideal sind – sei es wegen der Grösse, der Qualität, der Lage oder der Kosten. Steigende Mieten können dazu führen, dass Menschen in günstigere, aber schlechter erschlossene Wohnlagen ausweichen müssen.

Auch Familien stehen unter Druck

Familien mit Kindern haben oft besondere Anforderungen an ihre Wohnung. Sie brauchen genügend Platz und eine gute Lage – zum Beispiel in der Nähe von Schulen oder Betreuungsangeboten.

Gerade in solchen gut erschlossenen Gegenden sind Wohnungen jedoch besonders knapp und teuer. Gleichzeitig verfügen Familien im Durchschnitt häufiger über begrenzte finanzielle Mittel als kinderlose Haushalte.

Wohneigentum bleibt schwierig

Auch der Kauf von Wohneigentum wird immer schwieriger. Die Immobilienpreise sind in den letzten Jahren stark gestiegen.

Mit nur rund 36 Prozent hat die Schweiz ohnehin eine der tiefsten Wohneigentumsquoten Europas. Dabei kann ein eigenes Zuhause im Alter eine wichtige finanzielle Sicherheit sein.

Eine alternde Gesellschaft verändert das Wohnen

Ein besonders wichtiger Punkt für die Zukunft ist die Alterung der Bevölkerung. Laut Prognosen wird im Jahr 2055 etwa ein Viertel der Menschen in der Schweiz über 65 Jahre alt sein.

Rund zehn Prozent werden sogar über 80 Jahre alt sein – doppelt so viele wie heute.

Damit entstehen neue Anforderungen an den Wohnraum. Viele ältere Menschen möchten möglichst lange in ihrer eigenen Wohnung bleiben. Deshalb gewinnen altersgerechte Wohnungen, barrierefreie Gebäude und Unterstützungsangebote im Alltag an Bedeutung.

Mehr Alterswohnungen und Pflegeplätze nötig

Schätzungen zeigen, dass der Bedarf an Alters- und Pflegeheimen bis 2040 deutlich steigen wird. Gleichzeitig werden auch mehr altersgerechte Wohnungen benötigt.

Besonders wichtig ist dabei, dass diese Angebote bezahlbar bleiben und älteren Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Mit zunehmendem Alter leben ausserdem mehr Menschen allein. Das kann zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen – etwa höhere Wohnkosten oder die Gefahr von sozialer Isolation.

Die Politik muss frühzeitig handeln

Die Wohnungspolitik ist deshalb auch immer Sozialpolitik. Bund, Kantone und Gemeinden müssen gemeinsam Lösungen finden, damit genügend Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen vorhanden ist.

Die wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft sind das Bevölkerungswachstum, die Alterung der Gesellschaft, veränderte Lebensformen und auch der Klimawandel.

Damit auch in Zukunft genügend bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stehen, braucht es vorausschauende Planung und neue Ideen für die Wohnraumversorgung in der Schweiz.

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ℹ️ Info

Was bedeutet das konkret für Seniorinnen und Senioren?

  • Wohnen wird wichtiger: Die Wohnkosten sind für viele Haushalte bereits heute der grösste Ausgabenposten.
  • Mehr Menschen leben allein: Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, alleine zu wohnen. Dadurch werden kleinere Wohnungen immer gefragter.
  • Selbstständig zu Hause bleiben: Viele ältere Menschen möchten möglichst lange in ihrer eigenen Wohnung leben. Deshalb werden altersgerechte Wohnungen, Liftanlagen oder barrierefreie Zugänge immer wichtiger.
  • Unterstützung durch Sozialversicherungen: Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV helfen dabei, Wohnkosten zu bezahlen. Auch Hilfsmittel oder Assistenzbeiträge können das Leben zu Hause erleichtern.
  • Mehr Angebote nötig: In Zukunft braucht es mehr altersgerechte Wohnungen, betreutes Wohnen und genügend Pflegeplätze.
  • Gemeinschaft bleibt wichtig: Wer alleine lebt, sollte auf soziale Kontakte achten – Nachbarschaft, Familie, Vereine oder Begegnungsorte helfen gegen Einsamkeit.

Fazit: Die Politik muss frühzeitig handeln, damit auch in Zukunft genügend bezahlbarer und altersgerechter Wohnraum zur Verfügung steht.

5 Tipps: Wie Sie Ihre Wohnung altersgerecht machen

  • Stolperfallen entfernen:
    Lose Teppiche, Kabel oder hohe Türschwellen können leicht zu Stürzen führen. Entfernen Sie solche Hindernisse oder befestigen Sie Teppiche rutschfest.
  • Gute Beleuchtung einrichten:
    Mit zunehmendem Alter braucht das Auge mehr Licht. Sorgen Sie besonders im Flur, im Badezimmer und auf Treppen für eine helle, blendfreie Beleuchtung.
  • Haltegriffe im Bad montieren:
    Haltegriffe bei Dusche, Badewanne oder WC geben zusätzliche Sicherheit und können Stürze verhindern.
  • Möbel praktisch anordnen:
    Achten Sie darauf, dass genügend Platz zum Gehen bleibt – auch wenn später einmal ein Rollator benötigt wird.
  • Technische Hilfen nutzen:
    Notrufsysteme, automatische Lichtschalter oder leicht bedienbare Haushaltsgeräte können den Alltag deutlich erleichtern.

Gut zu wissen: Viele Anpassungen lassen sich mit wenig Aufwand umsetzen – und helfen dabei, möglichst lange sicher und selbstständig zu Hause zu leben.