Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», eingereicht am 3. April 2024, verlangt, dass Bund und Kantone alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen. Wird die Grenze von 9,5 Millionen Menschen überschritten, muss die Regierung handeln – etwa durch strengere Regeln im Asylbereich oder beim Familiennachzug. Wird die 10-Millionen-Grenze trotzdem überschritten, soll die Schweiz internationale Verträge kündigen. Als letztes Mittel müsste sogar das Freizügigkeitsabkommen mit der Europäischen Union (EU) aufgekündigt werden.
Die Regierung sieht in der Initiative eine ernsthafte Gefahr für Wohlstand, Sicherheit und internationale Beziehungen der Schweiz. Die wichtigsten Gründe im Überblick:
Die Regierung setzt auf bewährte Mittel: gezielte Massnahmen im Asylbereich, eine bedarfsgerechte Steuerung der Arbeitszuwanderung und Lösungen im Wohnungswesen. Zudem wurde mit der EU eine sogenannte Schutzklausel ausgehandelt, die es der Schweiz erlaubt, die Zuwanderung in begründeten Fällen zu begrenzen – ohne gleich das gesamte Vertragswerk mit der EU zu gefährden.
Der Bundesrat ist überzeugt: Ein starres Bevölkerungslimit in der Verfassung würde der Schweiz mehr schaden als nützen. Arbeitsplätze, Wohlstand und Sicherheit wären gefährdet. Die Regierung empfiehlt deshalb, die Initiative abzulehnen – und setzt stattdessen auf flexible, massgeschneiderte Lösungen im Umgang mit dem Bevölkerungswachstum.
Der Schweizer Bundesrat besteht aus sieben Mitgliedern und wird vom Parlament gewählt. Er setzt sich heute aus Vertreterinnen und Vertretern von vier verschiedenen Parteien zusammen: der SVP (2 Sitze), der FDP (2 Sitze), der Mitte (2 Sitze) und der SP (1 Sitz). Die Empfehlung, die Initiative abzulehnen, ist damit keineswegs ein Entscheid einer linken Mehrheit – im Gegenteil: Sie wird massgeblich von bürgerlichen und wirtschaftsnahen Parteien mitgetragen. Die SVP als grösste Partei der Schweiz unterstützt die Initiative zwar inhaltlich, ist im Bundesrat jedoch in der Minderheit. Die Ablehnung durch den Bundesrat widerspiegelt die gemeinsame Einschätzung von Mitte, FDP und SP, dass die wirtschaftlichen und aussenpolitischen Risiken dieser Initiative zu gross sind – eine Haltung, die quer durch das politische Spektrum geteilt wird.
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